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12. März 2015 11:00 Alter: 3 yrs

Markt oder Menschenrechte? Kita, Jugendhilfe und Soziale Arbeit im Spagat

 

Kinderpolitische Fachtagung am 18. April 2015 in Köln

Die Arbeit mit und für Menschen ist schon seit längerem
dem neoliberalen Primat der Ökonomie unterworfen.
Betroffen sind insbesondere Dienstleistungen
zugunsten von Kindern und Jugendlichen. An
elementare Aufgaben der Gesellschaft – Kindertagesbetreuung,
Bildung, Kinder- und Jugendhilfe, Soziale
Arbeit – wird mit destruktiven Folgen „gespart“. Das
kommt die öffentliche Hand langfristig teurer zu stehen
und, schlimmer noch, nimmt es v.a. den Kindern
und Jugendlichen Chancen auf eine gleichberechtigte
Teilhabe an Bildung und Gesellschaft.
Der Mittelentzug trifft inzwischen alle Berufsfelder
in den Sozial- und Erziehungsdiensten:
Soziale Arbeit, Jugendhilfe und Kindertagesbetreuung
müssen sich heutzutage rechnen. Klamme Kassen
von Städten und Gemeinden zwingen die öffentlich
geförderte Jugendhilfe dazu, ihre verlässlichen
Angebote zu kürzen. Statt dessen nehmen Projektfinanzierungen
und prekäre Beschäftigung massiv zu.
In Jugendämtern wächst die Arbeitsbelastung, da die
Fallzahlen Hilfebedürftiger zwar steigen, die Zahl der
Beschäftigten aber nicht mithält. Hilfen zur Erziehung
werden immer häufiger gewinnorientierten privaten
Anbietern überantwortet, deren Markt boomt.
In der Kindertagesbetreuung steht nach dem U3-
Rechtsanspruch bundespolitisch zwar ein Qualitätsgesetz
auf der Tagesordnung, in der Praxis wird aber
die Tagespflege ausgebaut. Für die frühkindliche Bildung
und Erziehung dort gelten weder das Fachkräfte
gebot noch die für Kitas bestehenden Mindeststandards
wie Außenflächen pro Kind. In vielen Kitas sind
die Gruppen zu groß, die Fachkraft-Kind-Relation und
die Arbeitsbedingungen lassen mehr als zu wünschen
übrig.
Im Bildungsbereich stehen trotz Inklusionsgebots
und Ganztagsausbaus alle Zeichen auf einem „Weiter
so“ beim selektiven Schulsystem, das Bildungschancen
nach sozialer Herkunft verteilt. Klassen sind zu
groß, häufig steht individuelle Förderung nur auf dem
Papier und die Bedingungen für gemeinsamen Unterricht
an Regelschulen bleiben problematisch. Je jünger
die Kinder, umso geringer die Gehälter der dort
beschäftigten Pädagog*innen und die Wertschätzung
für die Profession. Auch Ganztagskräfte, Sozialpädagog*
innen und Schulsozialarbeiter*innen sind im Bildungssektor
zunehmend prekär beschäftigt.
Die Veranstaltung will diese Entwicklungen in den
Sozial- und Erziehungsdiensten kritisch aufbereiten
und mit Betroffenen und Interessierten lösungsorientiert
diskutieren. Im Mittelpunkt stehen dabei politische
Rahmenbedingungen ebenso wie Qualitätsaspekte
der Arbeit und Beschäftigungsbedingungen.
Welche Lösungsansätze gibt es in dieser Gemengelage?
„Das muss drin sein“ – mit dieser Forderung
suchen auch die DGB-Gewerkschaften, ver.di ebenso
wie die GEW, für Sozial- und Erziehungsberufe mehr
Anerkennung, Wertschätzung, „Gute Arbeit“ und eine
Tariferhöhung zu erreichen. Aber auch politische Forderungen
gilt es, gemeinsam zu formulieren und
ihnen Gehör zu verschaffen.

Programm
11.00 h Begrüßung
Hans-Jürgen Zierus, Stellv. Vorsitzender Fraktion DIE LINKE im LVR
11.10 h Bildung in früher Kindheit – Ware oder Menschenrechte?
Prof. Dr. Heinz Sünker, Hochschullehrer für Sozialpädagogik
und Sozialpolitik, Bergische Universität Wuppertal
12.00 h Mittagspause (Imbiss am Buffet)
12.40 h Zwei parallele Foren:
Worldcafe (Workshop 1):
Kindertagesbetreuung im Wandel:
Drohen De-Qualifizierung und Entwertungsprozesse
durch Dumping-Modelle?
Welche Bedingungen in der Kindertagesbetreuung
brauchen Kinder, Erzieher*innen, Eltern?
Sabine Uhlenkott,
ver.di-Landesfachgruppe Sozial-, Kinder- und
Jugendhilfe (SKJ)
Tische mit
Prof. Dr. Jo Moran-Ellis,
Hochschullehrerin für Soziologie, Head of Department
of Sociology at Sussex University
Sabine Uhlenkott, ver.di NRW
Attila Gümüs, Landeselternbeirat NRW (LEB)
Dietmar Schwalm,
Mitglied im Jugendhilfeausschuss und Sozialarbeiter
in der kommunalen Jugendhilfe

 

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Dateien:
LVR_Kinderinteresen-_A4_hoch.pdf
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